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Hat die Fütterung einen Einfluss? Oder besser nur Medikamente geben, abwarten und hoffen?


Chronische Nierenerkrankungen finden sich häufig insbesondere bei älteren Tieren. Der eigentliche Auslöser bleibt oft unklar, jedoch kann neben einer Therapie mit Medikamenten insbesondere im Frühstadium der Erkrankung eine gezielte Anpassung der Fütterung das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und damit die Überlebenszeit bei gleichzeitig besserer Lebensqualität des Patienten verlängern. Der folgende Beitrag gibt einen kurzen Einblick in Hintergründe und erforderliche Diätprinzipien bei chronischer Niereninsuffizienz.

Chronische Nierenerkrankungen sind vor allem bei älteren Katzen eine häufig diagnostizierte Erkrankung und auch eine der häufigsten Todesursachen. Doch auch bei Hunden sind chronische Nierenerkrankungen, zumal bei älteren Tieren, leider gar nicht selten.

Die Nieren nehmen im Körper eine wesentliche Rolle bei der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, aber auch von aufgenommenen Medikamenten oder anderen körperfremden Stoffen ein. Darüber hinaus übernehmen sie wichtige Aufgaben z.B. bei der Steuerung des Wasserhaushalts des Körpers oder des Blutdrucks, bilden das aus dem Doping bei Sportlern vielen bekannte, für die Blutbildung wichtige Hormon Erythropoetin und aktivieren das u.a. für den Calciumstoffwechsel wichtige Vitamin D zu seiner stoffwechselaktiven Form. Diese Aufgaben können die Nieren bei fortschreitender Schädigung, sei es durch Infektionen, Mangeldurchblutung, Tumoren, Wirkung nierenschädigender Giftstoffe, aber auch Immunprozesse des Körpers, die die Nieren angreifen, nicht mehr in ausreichendem Maße wahrnehmen. Allerdings sind die noch funktionsfähigen Teile der Niere lange in der Lage, die notwendige Mindestfunktion aufrechtzuerhalten, sodass typische Symptome einer Niereninsuffizienz, also einem Nierenversagen, häufig erst vergleichsweise spät bemerkt werden.

Regelmäßige Blutuntersuchungen helfen bei der frühzeitigen Diagnose einer Niereninsuffizienz

Bevor sich die chronische Niereninsuffizienz für den Besitzer durch äußerlich erkennbare Symptome wie übermäßiger Durst verbunden mit erhöhtem Harnabsatz, Übelkeit oder Erbrechen, Gewichtsverlust, ggf. auch chronischem Durchfall und unangenehmem Maulgeruch bemerkbar macht, sind im Blut die typischen „Nierenwerte“ in der Regel bereits längere Zeit auffällig, d.h. außerhalb des Referenzbereichs. Insofern können, insbesondere bei älteren Tieren, bei denen das Risiko für eine Nierenerkrankung altersbedingt erhöht ist, regelmäßige Blutuntersuchungen dabei helfen, eine Erkrankung der Nieren bereits in einem früheren Stadium zu entdecken. Dabei ist es sehr wichtig, dass das Tier zum Zeitpunkt der Blutentnahme nüchtern ist, d.h. mindestens 12 Stunden nichts gefressen hat. Parameter wie Harnstoff- und Kreatiningehalt im Blut gelten bei Erhöhung der Werte als Indikatoren für eine Nierenschädigung. Allerdings verändern sie sich erst in einem vergleichsweise fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, weshalb die Forschung nach weiteren Parametern sucht, die relativ zuverlässig bereits in einem früheren Stadium eine Nierenerkrankung anzeigen. In die Routinediagnostik hat es kürzlich ein Parameter namens SDMA (symmetrisches Dimethyl-Arginin) geschafft, der bereits für längere Zeit erhöht ist und damit eine Nierenschädigung anzeigt, wenn Harnstoff und Kreatinin sich noch im Referenzbereich befinden.

Wenn bereits eine Nierenschädigung vorliegt, werden weitere Parameter wie die Phosphat-, Natrium- und Kaliumkonzentration im Blutserum, aber auch der Eiweißgehalt des Urins (gesunde Nieren lassen Eiweißmoleküle ab einer bestimmten Größe nicht in den Endharn passieren – wenn also der Urin einen erhöhten Proteingehalt aufweist, ohne dass dieser z.B. auf eine Blasenentzündung zurückgeführt werden kann, ist dies ein Hinweis für ein größeres Ausmaß der Nierenschädigung) bestimmt. Dies dient zum einen der Verlaufskontrolle, zum anderen wird auch die Therapie an der Entwicklung der Blut- und Urinwerte ausgerichtet.

Gezielte Fütterung als zusätzliche Komponente der Therapie

Doch was kann man tun, wenn nun das eigene Tier an Niereninsuffizienz erkrankt ist? Die weitere Diagnostik und medikamentöse Therapie wird durch den Haustierarzt durchgeführt werden und die Erkrankung, wenn irgend möglich, ursächlich behandelt oder, wo dies nicht möglich ist (sehr häufig ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung der ursprüngliche Auslöser leider nicht mehr nachzuweisen), eine Begleittherapie begonnen, um den Krankheitsverlauf bei möglichst guter Lebensqualität des betroffenen Tieres möglichst lang zu verzögern.

Unterstützend kann – insbesondere bei frühzeitiger Diagnose – eine gezielte Fütterung die erkrankte Niere entlasten und das weitere Fortschreiten der Erkrankung zumindest verzögern und damit für das Tier eine längere Überlebenszeit bei besserer Lebensqualität ermöglichen.

Eine „nierenschonende“ Fütterung, egal, ob dafür auf kommerzielle Produkte für diesen Einsatzzweck oder auf selbst zubereitete Rationen zurückgegriffen wird, orientiert sich an bestimmten Diätprinzipien.

Da der Anstieg des Phosphatgehalts im Blut aufgrund der verminderten Ausscheidungsfähigkeit der Niere einen fortschreitenden Faktor im Verlauf der Nierenerkrankung darstellt, muss der Phosphorgehalt der Ration verringert werden. Überschüssige Mengen an Eiweiß aus der Fütterung müssen im Stoffwechsel nach Umwandlung über die Niere ausgeschieden werden, da der Körper für Eiweiß keine Speichermöglichkeiten hat. Um die Niere in dieser Funktion zu entlasten, wird daher die verfütterte Eiweißmenge reduziert, wobei sehr gut verdauliches Protein zum Einsatz kommt, das in seiner Zusammensetzung dem körpereigenen Eiweiß des Tieres möglichst nahe kommt, damit wenig „Abfallprotein“ wieder ausgeschieden werden muss. Da nierenkranke Tiere häufig unter Übelkeit und vermindertem Appetit leiden und die Erkrankung oft mit einem mehr oder weniger dramatischen Gewichtsverlust einhergeht, ist eine sichere Deckung des Energiebedarfs und dementsprechend hohe Schmackhaftigkeit des Futters unabdingbar. Außerdem sollte die Ration verdauliche (fermentierbare) Fasern enthalten, da diese von den Darmbakterien zersetzt werden, was den Darminhalt ansäuert. Durch die Ansäuerung wird verhindert, dass andere Stoffwechselprodukte der Bakterien wie Ammoniak, das bei der Zersetzung von Eiweiß durch die Darmbakterien entsteht, resorbiert werden und dann wiederum über die Niere ausgeschieden werden müssen.

Aufgrund erhöhter Appetitlosigkeit der Hunde sollten die Mahlzeiten schmackhaft sein

Kommerzielle Fertigdiäten für nierenkranke Hunde berücksichtigen diese Diätprinzipien bereits und sind möglichst schmackhaft konzipiert. Bei einer selbst zubereiteten Diät kann je nach Hund die Akzeptanz aber noch besser sein und auch die Zusammensetzung kann häufig besser auf die Entwicklung der Blutwerte abgestimmt werden. Hierbei kommt fettreiches Fleisch, evtl. Ei, kombiniert mit Ölen und einem kohlenhydratreichen Energieträger wie z.B. Nudeln oder Reis sowie etwas Gemüse oder Obst zum Einsatz. Diese individuell auf das Tier und seine Erkrankung abgestimmte Ration muss dann noch unbedingt passend mit einem hierfür geeigneten Mineralfutter ergänzt werden, um für eine langfristige Verfütterung die Deckung des Bedarfs an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen sicher zu gewährleisten. Hier ist jedoch die Zusammenarbeit mit auf Diätetik spezialisierten Tierärzten wichtig, damit die Ration genau berechnet und bedarfsdeckend ist.

Häufig werden in der Praxis zusätzlich sogenannte „Phosphatbinder“ eingesetzt, die darauf abzielen, Phosphor im Futter zu binden, sodass es für die Resorption in den Körper nicht mehr zur Verfügung steht und folglich auch nicht über die Nieren ausgeschieden werden muss. Dies ist allerdings nur sinnvoll, wenn vorher überhöhte Phosphorgehalte in der Ration reduziert worden sind und es dennoch nicht zu einer Normalisierung der Blut-Phosphatlevel kommt.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass aufgrund der erforderlichen Anpassung des Proteingehalts in der Ration und der dennoch erforderlichen hohen Energiemenge und -dichte (Nierenpatienten haben, wie erwähnt, neben dem oft reduzierten Appetit, was einen hohen Energiegehalt in möglichst kleinen Futtermengen erforderlich macht, auch einen oft erhöhten Energiebedarf) ein großer Teil der Energie aus Fett und Kohlenhydraten kommen muss, da das Eiweiß als über den Erhaltungsbedarf hinausgehende Energiequelle wegfällt. Damit eignet sich die derzeit sehr beliebte Rohfütterung (Barfen) in ihrer ganz strikt umgesetzten Form (vollständiger Verzicht auf kohlenhydratreiche Energieträger wie Getreide, Kartoffeln oder Reis) definitiv nicht für nierenkranke Tiere. Eine Anpassung einer solchen Barf-Ration an die Bedürfnisse des Patienten muss daher unbedingt erfolgen, um das rasche Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verlangsamen.

 

 

Literatur:

Dillitzer, N. (2012). Tierärztliche Ernährungsberatung. 2. Auflage. Elsevier Urban & Fischer, München.

Meyer, H.; Zentek, J. (2013). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Enke-Verlag, Stuttgart.