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Vom berühmten „Hundemagen“

Jeder kennt diesen Spruch – aber auch der Hund hat mit teils massiven Problemen im Magen zu kämpfen. Doch wie entstehen Magenaufgasung, Magendrehung, Gastritis oder gar Magengeschwüre. Lernen Sie im fünften Teil unserer Serie den Magen besser zu verstehen und wie Sie durch optimale Fütterung die Magengesundheit unterstützen können.

 

Magenentzündung (Gastritis), Magengeschwüre (Ulcera)

Die Schleimhaut eines gesunden Magens dient normalerweise als Barriere gegen äußere Einflüsse wie Säure, Bakterien oder wechselnde Temperaturen. Diese Schleimhautbarriere besteht aus Sekreten (Magensäure, Schleim, Bicarbonat, antibakterielle Substanzen), den sehr regenerationsfähigen Zellen der Schleimhaut und einem stark vernetzten Blutgefäßsystem, das an der Aufrechterhaltung einer intakten Schleimhaut, der Elimination von Giftstoffen und der Erneuerung der Zellen der Schleimhaut beteiligt ist.
Der eigentliche Auslöser für eine überschießende akute oder chronische Entzündung bleibt häufig unklar. In vielen Fällen einer akuten Gastritis haben die Hunde Müll, Schimmelpilz-befallenes oder anderweitig verdorbenes oder rohes Futter, Essensreste oder Katzenstreu aufgenommen. Meist genügt hier eine kurze Phase des Futterentzugs gefolgt von diätetischen Maßnahmen für eine Ausheilung. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse als ernstere Folge aus einer solchen akuten Gastritis ergeben kann. Bei andauernden oder sich wiederholenden Episoden sollten Mangelernährung, unzureichende Verdauung oder Absorption von Nährstoffen im Darm sowie Verhaltens- oder Stoffwechselstörungen als Ursachen für dieses Fressverhalten abgeklärt werden.
Häufig sind Tiere jünger als ein Jahr von einer Gastritis aufgrund einer Futtermittelallergie betroffen. Weitere mögliche Auslöser umfassen zahlreiche Pflanzen, unzählige Haushaltschemikalien sowie Medikamente und seltener auch Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder Clostridium perfringens. Auch Tumoren des Magens oder immunmediierte Vorgänge, d.h. ein Einwandern von zahlreichen Entzündungszellen in die Magenschleimhaut, sowie Erkrankungen anderer Organe, die in der Folge auch den Magen miteinbeziehen (z.B. Lebererkrankungen), können eine mögliche Ursache für Gastritis sein.
Viren wie Parvo-, Staupe-, Rota- oder Coronavirus sind selten für eine isolierte Magenentzündung verantwortlich, sondern rufen vornehmlich Symptome im Darm oder im gesamten Organismus hervor.

Die Behandlung umfasst neben dem Abstellen der Ursache, sofern möglich, bei akuter Gastritis in aller Regel eine kurze Phase (1-2 Tage) des Futterentzugs. Die Verabreichung von Medikamenten zur Verringerung der Magensäureausschüttung, um damit der Magenschleimhaut Zeit zum Abheilen zu gewähren, wie dies häufig beim Menschen eingesetzt wird, war in einer Studie an Hunden, die eine Behandlung mit Schmerzmitteln nach einer Operation erhalten hatten, wenig erfolgreich. Als diätetische Maßnahmen bei akuter und chronischer Gastritis, aber auch bei Magengeschwüren oder übermäßiger Magensaftproduktion sind Futtermittel zu empfehlen, die nicht zu einer verstärkten Magensaftproduktion führen. Fleisch oder Fleischbrühe sind daher zu vermeiden; auch sollte der Eiweißgehalt der Ration maximal den Erhaltungsbedarf decken oder ggf. etwas darunter liegen. Als Eiweißquellen können Milchprodukte und Eier eingesetzt werden, eventuell auch hochverdauliches Fleisch wie Huhn oder Pute. Kohlenhydrate können als Stärke oder ggf. auch in Form von Glucoselösungen, die die Magensäuresekretion hemmen, eingesetzt werden. Wichtig ist eine weiche Konsistenz der Futtermittel, zumindest während der akuten Erkrankungsphase, da mechanisch reizende, harte oder raue Futtermittel die geschädigte Magenwand noch weiter reizen können.

 

Hypoazidität (unzureichende Magensäureproduktion)

Eine dauerhaft ungenügende Magensäureproduktion, oft verbunden mit Erbrechen, kommt manchmal beim Hund vor und kann durch Stress, organisch oder auch durch einen Chloridmangel (einem Bestandteil der Salzsäure) bedingt sein. Durch die ungenügende Ansäuerung des Mageninhalts ist die Eiweißverdauung erschwert, weil das dafür verantwortliche Enzym Pepsin bei höheren pH-Werten nicht optimal arbeitet. Außerdem ist die Magenentleerung bei ungenügend abgesenktem pH beschleunigt. Mineralstoffreiche Fütterung kann die Problematik verstärken, da die Mineralstoffe als Puffer wirken und damit die pH-Absenkung zusätzlich behindert wird. Zudem wird die weitere Verdauung im Dünndarm beeinträchtigt, weil die Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse und an der Oberfläche der Darmwand nicht in der Lage sind, die ungenügend vorverdaute Nahrung ausreichend zu zerlegen, sodass sie über die Darmwand aufgenommen werden könnte.
Ein weiterer Punkt ist die unzureichende Abtötung säureempfindlicher Keime. Damit steigt das Risiko für weitere Störungen des Magen-Darmtrakts, da das Risiko für Veränderungen der typischen Darmflora durch die unerwünscht mit dem Nahrungsbrei in den Darm gelangenden Keime steigt.

Als diätetische Maßnahmen eignen sich hochverdauliche Eiweiße wie z.B. Quark, Joghurt, Muskelfleisch, Fisch oder gekochte Eier in Verbindung mit einem erhöhten Fettanteil in der Nahrung, da dies die Verweildauer im Magen verlängert. Fleischbrühe regt die Produktion von Magensaft an, während kohlenhydratreiche Rationen eher ungeeignet sind, da sie nur geringen Einfluss auf die Magensaftsekretion ausüben. Gegebenenfalls können Präparate, die Pepsin und Salzsäure enthalten, verabreicht werden; bei einem Chloridmangel muss Kochsalz (besteht aus Natrium und Chlorid) zur Behebung dieses Mangels verabreicht werden.

 

Magenaufgasung und -drehung

Magenaufgasungen und –drehungen treten vor allem bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb auf und führen zu einer raschen Aufgasung des Magens, Würgen ohne Erbrechen, starkem Speicheln und Anzeichen von Bauchschmerzen. Wenn zu der Magenaufgasung eine Drehung des geblähten Magens hinzukommt, kann sich schnell eine akut lebensbedrohliche Situation einstellen. Gehäuft tritt diese Erkrankung bei zahlreichen vor allem großrahmigen Rassen auf, vorwiegend bei Hunden mittleren Alters.

Der Magen des HundesAls Ursache kommt möglicherweise eine verminderte Festigkeit des Aufhängeapparates des Magens bei älteren Hunden in Betracht, ggf. verbunden mit Änderungen der Magen- und Darmfunktion. Außerdem spielt das Verhältnis von Weite zu Tiefe des Brustkorbs für das Risiko der Erkrankung eine ganz wesentliche Rolle, wobei das Risiko bei zunehmender Tiefe im Verhältnis zur Weite zunimmt. Für die Aufgasung des Magens ist entweder ein vermehrtes Abschlucken von Luft, eine vermehrte Freisetzung von Kohlendioxid aus dem Futter oder Bauchspeicheldrüsensekret durch den sauren Magensaft oder eine verstärkte bakterielle Fermentation im Magen verantwortlich. Häufig im Vorfeld der Erkrankung beobachtete Verhaltensweisen beinhalten u.a. Aufnahme einer großen Mahlzeit oder Wassermenge, Fütterung aus einer erhöhten Position der Schüssel oder Aufregung oder Bewegung, wobei jedoch insbesondere der Risikofaktor der erhöhten Fütterungsposition unterschiedlich beurteilt wird – andere Autoren empfehlen ebendiese zur Vermeidung eines vermehrten Luftschluckens während der Fütterung.

Hunde, die einmal erkrankt waren, erkranken häufig wiederholt, weshalb neben chirurgischer Fixierung des Magens an die Bauchwand diätetische Maßnahmen zur Vorbeugung erforderlich sind. Diese umfassen insbesondere Änderungen der Futterzusammensetzung und Fütterungstechnik. Das Futter muss hygienisch einwandfrei sein und sollte wenig leicht vergärbare Bestandteile wie z.B. Zucker oder Milchprotein enthalten, während der Anteil an Fetten mit langkettigen, ungesättigten Fettsäuren angehoben werden kann. Der Calciumgehalt sollte an den Bedarf angepasst sein, da überhöhte Gehalte eine ausreichende Ansäuerung des Mageninhalts verhindern und über hormonelle Einflüsse die Magenentleerung verzögern. Außerdem sollten feste Fütterungszeiten eingehalten und die Tagesrationen auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden. Trockenfutter sollte zur Beschleunigung der Magenpassage gründlich eingeweicht und Schlachtabfälle in nicht zu großen Stücken verabreicht werden, um eine erhöhte Luftaufnahme durch vergebliche Schluckversuche zu vermeiden. Außerdem sollte Anstrengung oder Stress nach der Fütterung vermieden werden.

 

Quellen:

Bell, J.S. (2014). Inherited and predisposing factors in the development of gastric dilatation volvulus in dogs. Topics in Companion Animal Medicine 29, 60-63.

Meyer, H. und Zentek, J. (2010). Ernährung des Hundes. 6. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart.

Rawlings, C.A. (2013). Incisional Gastropexy tp Prevent and Treat Canine Gastric Dilatation-Volvolus. Compendium: Continuing Education for Veterinarians April 2013 E1-E5.

Webb, C., Twedt, D.C. (2003). Canine gastritis. The Veterinary Clinics Small Animal Practice 33, 969-985.