Seite auswählen

Passagestörungen, Zahnerkrankungen, Gebissstörungen

Manchmal zu gierig, manchmal zuviel des Guten – oft ist eine gestörte Verdauung ein „mechanisches“ Problem oder Ausdruck schlechter Zähne. Erfahren Sie im letzten Teil unserer Serie wie Sie Mängel in der Zahnhygiene vorbeugen und wie die Magen- Darmpassage optimal gelingt.

 

Gelegentlich können Futterteile wie z.B. Stücke von Röhrenknochen, Knorpelringe der Luftröhre oder Querschnitte größerer Blutgefäße Störungen der Passage durch den Verdauungstrakt verursachen, indem sie sich über den Fang oder die Zunge schieben und dabei Strangulationen verursachen. Auch die Verfütterung von ganzen Knochen, wie sie z.B. im Rahmen von BARF („Biologisch Artgerechte Roh Fütterung“)-Rationen erfolgt, kann zu Verlegungen oder Verletzungen von Schlund, Magen oder Darm durch Knochenstücke oder -splitter oder auch zu Zahnfrakturen oder -absplitterungen führen.

Zahnerkrankungen

Zahnstein, Parodontose (Entzündung und Zerstörung des Zahnhalteapparates) oder Karies können durch verschiedene Nahrungsfaktoren (kohlenhydrat- und insbesondere zuckerreiche Nahrung) begünstigt werden, da die Bildung bakterieller Zahnbelege gefördert wird. Karies ist beim Hund aufgrund der kegelförmigen Zahnform – aber auch aufgrund des geringeren Kohlenhydratanteils in der Nahrung – im Vergleich zum Menschen seltener, wobei jedoch kleinere Hunderassen häufiger betroffen sind als größere.
Bildung von Zahnstein, der hauptsächlich aus Phosphor, Calcium und Magnesium besteht, wird durch genetische Faktoren wie den Mineraliengehalt im Speichel und den pH-Wert im Maul beeinflusst, wobei jedoch auch andere Faktoren wie häufiges Hecheln zur Wärmeregulation und die Aufnahme weicher Nahrung mit in der Folge nur geringer Selbstreinigung der Zähne einen Einfluss haben.

Durch die Vermeidung der genannten Futtermittel wie Knochen oder Knorpelringe der Luftröhre können auf der einen Seite die genannten Risiken für Passagestörungen reduziert werden. Um eine genügende Reinigung der Zähne zu erreichen, ist trotz eines deutlichen vorbeugenden Effekts allerdings die Verabreichung von Kauartikeln z.B. aus Büffelhaut oftmals nicht alleine ausreichend und muss durch Maßnahmen wie eine gründliche Sanierung des Gebisses durch den Tierarzt, ggf. in Kombination mit regelmäßiger Reinigung mit einer Zahnbürste, ergänzt werden. Darüberhinaus gibt es verschiedene kommerzielle Produkte auf dem Markt, die aufgrund ihrer Form, Größe, Konsistenz oder besonderen Inhaltsstoffe die Bildung von Zahnstein reduzieren sollen.

Schluckstörungen

Auch Schluckstörungen können beim Hund verschiedene Ursachen haben wie z.B. anatomische oder Stoffwechselstörungen sowie entzündliche, neuro-muskuläre oder Tumorerkrankungen und führen meist zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Patienten. Häufig verursachen Schluckstörungen ein Regurgitieren, also ein „Wieder-Herauswürgen“ von unverdautem Futter, das vom Verhalten des Hundes her äußerlich dem Erbrechen sehr ähnlich sein kann. Jedoch ist das Futter vollkommen unverdaut, riecht in der Regel auch nicht säuerlich und ist fast immer in zeitlicher Nähe zur Aufnahme von Futter zu beobachten. Nur beim Vorhandensein von Divertikeln, d.h. Ausstülpungen in der Speiseröhre, oder motorischer Dysfunktion, also verminderter oder fehlender Muskelaktivität in der Speiseröhre, die beim gesunden Hund den Bissen in den Magen transportieren würde, kann ein großer zeitlicher Abstand zur Futteraufnahme beobachtet werden.

Um dem Hund das Abschlucken der Nahrung und den Weitertransport des Bissens in den Magen zu erleichtern, kann man das Futter von einem erhöhten Platz aus anbieten (z.B. auf einer Treppenstufe) oder aus der Hand so füttern, dass das Vorderteil des Hundes beim Fressen höher positioniert ist als das Hinterteil und der Bissen somit der Schwerkraft folgend Richtung Magen rutschen kann. Vorteilhaft ist weiches, gleitfähiges Futter (z.B. püriertes Dosenfutter oder gut eingeweichtes Trockenfutter). Da die Fütterung betroffener Hunde sehr zeitaufwendig ist, sollte erforderlichenfalls der Einsatz einer Magensonde erwogen werden, da dies die Fütterung deutlich vereinfacht.

 

Quellen:

Meyer, H. und Zentek, J. (2010). Ernährung des Hundes. 6. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart.