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Einleitung: Untersuchungen und Diagnostik im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt


Welche Ursachen und welche Therapieansätze werden bei Störungen und Erkrankungen des Verdauungstrakt angewandt erfahren Sie in unserer Einleitung. In den folgenden Teilen wollen wir diese im Detail betrachten, bleiben Sie gespannt.

 

Störungen und Erkrankungen des Verdauungstrakts treten bei Hunden relativ häufig auf. Die Ursachen können vielfältig sein und einerseits durch Fehler in der Zusammensetzung des Futters, in der Auswahl und Zubereitung der Futtermittel, der Dosierung oder der hygienischen Qualität verursacht werden, andererseits aber auch durch diverse Erkrankungen wie z.B. Parasiten, Infektionen, Entzündungen oder auch Vergiftungen.

Abhängig von der Ursache sind unterschiedliche Therapieansätze erforderlich. Bei akuten Erkrankungen sind allgemein unterstützende diätetische Maßnahmen nötig, aber ggf. auch eine gezielte Therapie der zugrundeliegenden Ursache, sofern möglich, sowie eventuell eine Intensivtherapie. Bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen ist eine gezielte Diätetik wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Therapie.

Um die Ursache für eine Verdauungsstörung zu finden, ist eine breit angelegte Diagnostik unter Einbeziehung des Allgemeinzustandes und verschiedener anderer Organsysteme notwendig. Die klinische Symptomatik kann bereits erste Hinweise darauf geben, wo im Verdauungskanal der Hauptsitz der vorliegenden Störung lokalisiert ist, wobei ggf. auch mehrere Segmente des Verdauungskanals gleichzeitig betroffen sein können. Diese Kategorisierung gibt dann die Richtung vor, welche weiteren Untersuchungen zur Abklärung erforderlich sind.

Der Kot ist ein Untersuchungsmaterial, aus dem ohne großen Aufwand wichtige Erkenntnisse über Störungen im Verdauungstrakt gewonnen werden können. Farbe, Konsistenz, aber auch der Anteil an unverdauten Nahrungsbestandteilen und das Gewicht der täglich abgesetzten Kotmenge können Hinweise auf mögliche Ursachen geben. Bei erkrankten Tieren kann die abgesetzte Kotmenge 3 – 4 mal höher liegen als bei gesunden Hunden. Übliche Werte für die Menge an frischem Kot betragen bei Fleischfütterung oder auch bei fett- oder eiweißreichem Feuchtfutter ungefähr 10-15% der aufgenommenen Menge, bei kohlenhydratreichen Trockenfuttern kann die Menge auf bis zu 50% der Futtermenge ansteigen.

Häufige Untersuchungen im Zusammenhang mit Verdauungsstörungen

Eine Störung der Fettverdauung („Steatorrhoe“), die beim gesunden Hund aufgrund der hohen Verdauungskapazität für Fette allerdings sehr selten vorkommt, führt zu einer Erhöhung der ausgeschiedenen Fett- sowie der Gesamtkotmenge, wobei der Kot eine pastöse Konsistenz und hellgelbe Farbe annimmt. Eine Untersuchung unter dem Mikroskop nach Anfärbung der Kotprobe ermöglicht eine Unterscheidung zwischen einer ungenügenden Zerlegung der Futterfette, die in der Folge nicht aufgenommen werden können und einer ungenügenden Resorption der ausreichend durch die Verdauungsenzyme vorverdauten Fette. Auch bei ungenügender Eiweißverdauung kann eine mikroskopische Kotuntersuchung Aufschluss geben, da z.B. nach Fleischfütterung noch unverdaute Muskelfasern im Kot zu finden sind. Eine unzureichende Stärkeverdauung kann nach Anfärbung des Kots mit Lugol’scher Lösung, einem speziellen Färbemittel, das Stärkekörner anfärbt, untersucht werden. Eine erhöhte Menge an Stärkekörnern im Kot kann eventuell auf eine Pankreasinsuffizienz, also eine unzureichende Funktion der Bauchspeicheldrüse, hindeuten. Allerdings kann ein verstärkter Einstrom von unverdauter Stärke in den Dickdarm dazu führen, dass diese von den Darmbakterien verstärkt fermentiert wird und damit natürlich auch nicht mehr unter dem Mikroskop sichtbar ist; dies äußert sich allerdings in der Regel in einer Absenkung des Kot-pH-Werts, der dann unter 6 abfällt.

Wenn eine mikrobielle Fehlbesiedlung des Darms („Dysbiose“) vermutet wird, kann eine mikrobiologische Untersuchung des Kots nützlich sein. Bei bestimmten Keimen, die auch bei gesunden Hunden im Kot anzutreffen sind, wie z.B. Clostridium perfringens (ein Bakterium, das insbesondere bei eiweißreicher Fütterung hohe Keimzahlen erreichen kann), ist der Nachweis der Bildung bestimmter Giftstoffe, sog. Enterotoxine, erforderlich, um einen Zusammenhang zu einer bestehenden Durchfallerkrankung herzustellen. Weitere Untersuchungen auf andere krankmachende Keime oder bestimmte Einzeller wie z.B. Giardien oder Kryptosporidien können ebenfalls vorgenommen werden, wenn sonst keine Ursache für die Verdauungsstörung zu finden ist. Auch die Untersuchung des Kots auf Parasiten kann helfen, die Ursache für die Verdauungsstörung zu finden bzw. einzugrenzen.

Untersuchungen von Blut oder Kot im Labor können Hinweise auf eine Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse oder auch Verdauungs- und Absorptionsstörungen geben. So kann z.B. das Messen der Serum-Vitamin B12– und Folsäure-Level Aufschluss über Funktionsstörungen bestimmter Dünndarmsegmente geben.

Lesen Sie weitere Teile unserer Artikelserie, diese werden zeitnah veröffentlicht:
– Durchfälle
– Infektionen
– Mikrobielle Dysbiose
– Magenerkrankungen
– Entzündliche Darmerkrankungen
– Proteinverlustsyndrom
– Kolitis
– Passagestörungen

 

Literatur:

Meyer, H. und Zentek, J. (2010). Ernährung des Hundes. 6. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart.

Marks, S.L. (2015). The Mysteries of the GI Tract: Demystifying Chronic Diarrhea in Dogs. 2015 NAVC/WVC Symposia Proceedings p. 3-9.