Übergewicht bei Hunden – Entstehung und Ursachen

Übergewicht bei Hunden – Entstehung und Ursachen

Ein gewichtiges Problem auch bei unseren Hunden: Übergewicht ist auch in der Hundepopulation ein zunehmendes Problem mit allen seinen Folgen für Gesundheit und Lebenserwartung. Die Entstehungsmechanismen geben auch Hilfestellung, wie das Problem bereits im Ansatz vermieden werden kann.

 

Übergewicht bis hin zur Fettsucht ist die häufigste fütterungsbedingte Störung beim Hund, rund ein Viertel aller Hunde ist übergewichtig, bei älteren Tieren sogar noch ein deutlich höherer Prozentsatz. Dies wird jedoch häufig vom Besitzer nicht wahr- bzw. ernstgenommen. Jedoch scheint das Bewusstsein für die Problematik, die für das einzelne Tier eine bis zu 20% geringere Lebenserwartung bedeutet als wenn es normalgewichtig wäre (das sind rund 2 -3 Jahre!), zuzunehmen. So gibt es z.B. in England spezielle „obesity clinics“, die sich ausschließlich mit der Therapie übergewichtiger Tiere befassen.

Abhängig vom Ausmaß des Übergewichts steigt der Körperfettgehalt, der beim normalgewichtigen Hund zwischen 10 und 20% beträgt, auf bis zu 40% an. Festgestellt werden kann Übergewicht durch eine Kombination von Gewichtsermittlung (im Vergleich z.B. zum Rassestandard) und Ermittlung des Ernährungszustands durch Betrachtung und Abtasten verschiedener Körperregionen, das sogenannte „Body Condition Scoring“.


Die Ursachen für Übergewicht bei Hunden sind vielfältig


Verschiedene Faktoren nehmen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht. Die vermehrte Einlagerung von Fett in die Fettzellen kann auf einer genetischen Veranlagung (bestimmte Rassen neigen zu einem gesteigerten Appetit und damit zu Übergewicht) beruhen, in Einzelfällen auch auf einer hormonellen Störung, die zu einem verringerten Energieumsatz und vermehrter Fetteinlagerung, auch ohne Erhöhung der Futteraufnahme, führt. Aber auch der Kastrationsstatus hat einen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht, da kastrierte Tiere dazu neigen, mehr zu fressen und sich weniger zu bewegen. Auch beeinflusst bereits bestehendes, beginnendes Übergewicht den weiteren Verlauf – hormonelle Regelkreise und verschiedene Regulationsmechanismen werden verändert und damit die Verstärkung des Übergewichts begünstigt.

Eine tragende Rolle jedoch spielt der Hundebesitzer, denn er nimmt wesentlichen Einfluss auf das Bewegungsausmaß seines Tieres, aber er ist auch der „Herr“ (oder die „Herrin“) über den Futternapf – wenn hier nicht eine strikte Ausrichtung der Gesamtenergieaufnahme am Bedarf erfolgt, ist das Übergewicht ein sich selbst verstärkendes Problem, das durch jedes Leckerli, jeden zugesteckten Brocken vom Tisch oder aufgelesenen Abfall beim Spaziergang an Ausmaß zunimmt.


Das natürliche Hormon Leptin reguliert das Körpergewicht des Hundes


Bei gesunden, normalgewichtigen Hunden hat der Körper einige Regulationsmechanismen, die der Entstehung von Übergewicht entgegenwirken sollen. Das Fettgewebe bildet natürlicherweise ein Hormon namens Leptin, das eine Verringerung der Futteraufnahme bewirkt. Dies bedeutet, dass umso mehr Leptin gebildet wird, je mehr Fettgewebe im Körper vorhanden ist. Jedoch scheint dieser Regelmechanismus bei übergewichtigen Hunden nicht (mehr) richtig zu funktionieren, sodass dieser Mechanismus zur Verringerung der Futteraufnahme bei den betroffenen Tieren nicht auszureichen scheint, um das Körpergewicht konstant zu halten.

Je dicker ein Hund wird, desto schlechter reagieren seine Körperzellen auf Insulin, ein Hormon aus dem Kohlenhydratstoffwechsel, das dafür verantwortlich ist, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten und dafür zu sorgen, dass Glucose aus dem Blut in die Körperzellen transportiert wird. Dies kann als eine Vorstufe von Diabetes Typ 2 angesehen werden – diese Erkrankung tritt auch beim Menschen auf und ist eng mit Übergewicht verbunden.


Übergewicht kann zur Entstehung von Gelenksentzündungen und Arthrose beitragen


Durch den erhöhten Körperfettanteil kommt es zu einer veränderten Auslesung von Genen in verschiedenen Körpergeweben. Dadurch werden vor allem vermehrt Entzündungsstoffe, aber auch andere Regulationsfaktoren, freigesetzt – in gewisser Weise ist ein Zuviel an Fett vergleichbar mit einem chronischen Entzündungsherd, ähnlich einem entzündeten Zahn, der für Probleme sorgt. Dieses Übermaß an Entzündungsfaktoren trägt vermutlich auch zu den zahlreichen Begleiterscheinungen von Übergewicht bei, wie z.B. der Entstehung von Gelenksentzündungen und Arthrose.

Je älter ein Hund wird, desto höher ist das Risiko für Verfettung, möglicherweise, weil es zu altersbedingten hormonellen Veränderungen kommt, gekoppelt mit einer verringerten Bewegungsaktivität aus eigenem Antrieb.

 
 
 
 
 
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Was sind nun die eigentlichen Ursachen, die zu einem Entgleisen dieser genannten Regulationsmechanismen führen können?


Ein wichtiger Faktor ist der Energiegehalt des verwendeten Futters. Je energiedichter, d.h. vor allem je fettreicher (Fett ist ein Nährstoff mit hohem Energiegehalt in sehr kleinem Futtervolumen) ein Futter ist, desto größer ist das Risiko einer übermäßigen Energieaufnahme. Fett ist nicht nur energiereich, sondern auch noch ein Geschmacksträger, fetthaltige Futtermittel sind also besonders schmackhaft und werden gerne gefressen. Zudem scheint ein häufiger Wechsel von Futtermitteln die Entstehung von Übergewicht zu begünstigen – vermutlich, weil der veränderte Geschmack zu einer Aufnahme größerer Futtermengen durch den Hund führt (vielleicht auch, weil bei einem Wechsel des Futters nicht so genau darauf geachtet wird, dass die verabreichte Menge des neuen Futters „energetisch gleichwertig“ zum vorherigen Futter ist). Im Zusammenhang mit neuen Geschmacksreizen für den Hund dürfen daher auch Snacks und Zwischenmahlzeiten nicht unterschätzt werden.

Die Mahlzeitenhäufigkeit scheint keinen großen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht zu haben, sofern die verfütterte Gesamtenergiemenge gleichbleibt – Unterschiede in der Wärmebildung, die beim Verdauen einer Mahlzeit entstehen mit entsprechendem Einfluss auf die Energieverwertung sind so gering, dass man einen Zusammenhang zwischen der Fütterungsfrequenz und Übergewicht allenfalls theoretisch herstellen könnte. Ein ganz wesentlicher Faktor ist aber der Aspekt, ob Futter limitiert oder zur freien Verfügung angeboten wird – hier gibt es nämlich sowohl individuell als auch zwischen verschiedenen Rassen ganz erhebliche Unterschiede in der Fähigkeit, die Futteraufnahme, insbesondere bei wechselndem Energiegehalt des angebotenen Futters, an den eigenen Bedarf anzupassen. Während nämlich z.B. Beagles überhaupt keine Anpassung an individuelle „Eigenschaften“ des angebotenen Futters zu zeigen scheinen, gelingt es beispielsweise Settern relativ gut, ihre Futteraufnahme in Abhängigkeit vom Energiegehalt des Futters an den eigenen Bedarf anzupassen.


Viel Bewegung, ausgewogene Fütterung und mögliche Erkrankungen beachten


Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Hundebesitzer wesentlichen Anteil daran hat, die Entstehung von Übergewicht beim eigenen Tier zu verhindern – er kann durch ein Mehr an Bewegung den Energieverbrauch ankurbeln, aber auch durch sein Fütterungsmanagement einer Verfettung seines Hundes bereits in den Anfängen entgegenwirken.

Nicht außer Acht zu lassen ist allerdings der Aspekt, dass es auch Erkrankungen gibt, die bei einem übergewichtigen Tier neben der Fütterung als Ursache in Betracht gezogen werden müssen – Ödeme können Übergewicht vortäuschen, aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion, die vor allem bei älteren Tieren häufig ist, kann zur Gewichtszunahme beitragen, ebenso wie Störungen der Geschlechtsdrüsen oder auch eine Fehlfunktion der Nebenniere (Cushingerkrankung). Diese müssen selbstverständlich diagnostiziert und therapiert werden, während gleichzeitig die Gewichtsreduktion angegangen wird. Die Therapie von Übergewicht wird Gegenstand des nächsten Artikels sein.

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Datum

25. Juli 2022

Autor

CarniMed

Kategorien

Ernährung
Tipps rund um den Hund