Ernährung bei Bauchspeicheldrüseninsuffizienz – Die richtige Diät für betroffene Hunde
Nachdem wir in Teil 1 die Ursachen, Symptome und Diagnose der exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) beim Hund beleuchtet haben, widmen wir uns nun einem zentralen Baustein der Behandlung: der richtigen Ernährung.
Denn: Ohne die ausreichende Produktion von Verdauungsenzymen kann der Hund selbst hochwertiges Futter nur unzureichend verwerten. Umso wichtiger ist eine angepasste, gut verdauliche und nährstoffreiche Fütterung, die den Verdauungstrakt entlastet und gleichzeitig den Nährstoffbedarf deckt.
In diesem Artikel erfährst du, worauf es bei der Fütterung eines Hundes mit Bauchspeicheldrüseninsuffizienz ankommt, welche Nahrungsmittel geeignet sind – und wie du durch einfache Maßnahmen den Gesundheitszustand deines Hundes positiv beeinflussen kannst.
Wie lässt sich dieser Erkrankung nun therapeutisch begegnen?
Wichtig ist insbesondere eine gute Verdaulichkeit des verabreichten Futters. Dieses Kriterium erfüllen in aller Regel Futter (selbst zubereitet oder Fertigfutter), das Eier, Hüttenkäse, Muskelfleisch oder innere Organe enthält, außerdem aufgeschlossene (d.h. ausreichend gekochte/erhitzte) Mais-, Reis-, Gersten- oder Weizenstärke.
Der Fasergehalt im Futter sollte möglichst niedrig sein, weil ein hoher Gehalt an Fasern die Verdaulichkeit der übrigen Nährstoffe beeinträchtigt.

Die Fütterung spielt eine entscheidende Rolle bei der Therapie.
- Leicht verdauliche Proteine: Muskelfleisch, Eier, Hüttenkäse oder Innereien
- Hochverdauliche Kohlenhydrate: Gut gekochte Stärkequellen wie Reis, Mais oder Gerste
- Niedriger Faseranteil: Ballaststoffe sollten reduziert werden, da sie die Verdauung behindern
- Angepasster Fettgehalt: Meist ist eine moderate Reduktion notwendig
- Mehrmalige Fütterung: mindestens 2-3mal täglich
- Enzyme als Futterzusatz
Veränderte Nährstoffaufnahme bei EPI
Fett
Auch der Fettgehalt der Ration sollte eher niedrig sein. Jedoch reicht die Fettreduktion kombiniert mit hochverdaulichen Komponenten allein meist nicht aus, um die Symptomatik zu lindern. Daher ist es erforderlich, die von der Bauchspeicheldrüse nicht mehr in ausreichender Menge gebildeten Verdauungsenzyme „von außen“ zuzuführen.
Vitamin A, D, E, K
Aufgrund des zur Fettverdauung nötigen Enzyms Pankreaslipase, das bei EPI fehlt, ist die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K reduziert. Gelegentlich ist auch nach dem Zusatz von Pankreasenzymen zum Futter die Aufnahme dieser Vitamine unzureichend, so dass diese in bestimmten Abständen abhängig vom Serumlevel vom Tierarzt als Spritze verabreicht werden müssen.

Vitamin B12
Folsäure
Enzymzusätze – Warum sie essenziell sind
Die Fütterung betroffener Hunde sollte mehrmals (mindestens zwei- bis dreimal) täglich in kleinen Portionen, denen Pankreasenzyme zur Verbesserung der Verdauungsleistung zugesetzt sind, erfolgen. Oft muss eine Erhöhung der aufgenommenen Energiemenge erfolgen, um dem meist bestehenden Untergewicht entgegenzuwirken, zumindest bis das Idealgewicht erreicht ist.

Die fehlenden Enzyme sollten über das Futter ergänzt werden
Die Pankreasenzyme (gewonnen aus Bauchspeicheldrüsen von Rind oder Schwein, wobei Pulver in der Regel wirksamer ist als Tabletten oder Kapseln – aber auch gefrorenes und vor der Verfütterung aufgetautes rohes Bauchspeicheldrüsengewebe von Rind oder Schaf kann Verwendung finden) werden direkt vor der Fütterung zugesetzt und sehr sorgfältig untergemischt, um Schleimhautreizungen des oberen Verdauungstrakts zu vermeiden. Die Dosis wird abhängig vom erzielten Effekt angepasst.
Inhalt: 100 Gramm (197,50 €* / 1000 Gramm)
Noch bessere Verwertung durch Vorverdauung des Futters
Langfristige Prognose – Kann ein Hund mit EPI gut leben?
Mit der richtigen Fütterung und Enzymgabe bessern sich die klinischen Symptome innerhalb von drei bis fünf Tagen, eine erste Gewichtszunahme ist meist nach fünf bis zehn Tagen erkennbar. Bei unzureichendem Ansprechen muss gegebenenfalls die Enzymdosis erhöht werden; außerdem müssen andere (Begleit-)Erkrankungen ausgeschlossen werden.
Literatur:
Diagnostic Update: Pankreatitis und exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund. Idexx Laboratories.
Dillitzer, N. (2012). Tierärztliche Ernährungsberatung. 2. Auflage.
Elsevier Urban & Fischer, München. Hand et al. (2010). Small Animal Clinical Nutrition. 5. Auflage. Mark Morris Institute, Kansas, USA.
Bilder:
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Die exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) ist eine ernstzunehmende Erkrankung bei Hunden. In Teil 1 unserer Artikelserie erklären wir, welche Ursachen dahinterstecken, welche Symptome typisch sind und wie eine fundierte Diagnose gestellt wird.

Vitamine sind Nährstoffe, die in kleinen Mengen lebenswichtig für Deinen Hund sind, und nicht oder nicht in ausreichender Menge selbst hergestellt werden können. Hier erfährst Du alles über der Aufgaben und die Folgen einer Unter- und Überversorgung.

25.09.22
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