Exokrine Pankreasinsuffizienz – wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme bildet
Die Bauchspeicheldrüse spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung. Wenn sie nicht mehr genügend Enzyme produziert, kann der Hund Nährstoffe nur unzureichend verwerten. Dies führt zu Verdauungsproblemen, Mangelerscheinungen und einem schlechten Allgemeinzustand. Auf die Bauchspeicheldrüsenfehlfunktion, die bei Hunden die häufigste Ursache für Maldigestion darstellt, wollen wir heute einen näheren Blick werfen. Die sogenannte „exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)“ bezieht sich auf ein teilweises oder vollständiges Fehlen der von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme. Diese Verdauungsenzyme werden im Dünndarm benötigt, um aufgenommene Nährstoffe in kleinere Einheiten aufzuspalten und für die Aufnahme über die Darmwand verfügbar zu machen.

Ursachen der exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI)
- Angeborene Störungen, die bei Junghunden auftreten (allmähliches Schrumpfen und Funktionsverlust des für die Enzymproduktion verantwortlichen Gewebes nach der Geburt)
- Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
- Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse Bestimmte Hunderassen wie Schäferhunde, Eurasier und Collies haben ein erhöhtes Risiko für eine angeborene Form der EPI.
Symptome einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz beim Hund
Symptome stellen sich erst ein, wenn ca. 85 – 90% des (exokrinen) Bauchspeicheldrüsengewebes funktionsunfähig ist. Dies ist bei der angeborenen Form in aller Regel im Alter von etwa 6 – 18 Monaten der Fall. Abhängig vom Ausmaß der Bauchspeicheldrüsenunterfunktion (vollständiges oder nur teilweises Fehlen der Verdauungsenzyme) variieren die Symptome in ihrem Schweregrad.

Typische Symptome sind:
Betroffene Hunde werden oft mit chronischem Durchfall und Gewichtsverlust vorgestellt und entwickeln sich nicht so wie erwartet. Sie sind in der Regel in schlechtem Ernährungszustand und haben stumpfes Fell.
- Häufiger (6–10 Mal täglicher Kotabsatz) Fettiger, übelriechender, heller Kot
- Starker Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits
- Blähungen und laute Darmgeräusche
- Stumpfes, glanzloses Fell
- Vermehrte Aufnahme von Kot oder Erd
- Jungtiere wirken im Vergleich zu nicht betroffenen Wurfgeschwistern oder dem Rassestandard unterentwickelt.
- Seltener kommt es zu Erbrechen und vermehrtem Durst.
Diagnose der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz beim Hund
Gelegentlich kommt es zu einem gemeinsamen Auftreten von EPI und Diabetes mellitus (Diabetes mellitus ist die Folge einer Störung des hormonproduzierenden Anteils des Bauchspeicheldrüsengewebes). Eine Verdachtsdiagnose lässt sich oftmals schon aufgrund der Krankengeschichte und der ersten Untersuchung des Hundes stellen.

Zur Absicherung werden folgende Tests durchgeführt:
- Nachweis von Verdauungsenzymen im Kot (Canine fäkale Pankreaselastase)
- Bestimmung der Bauchspeicheldrüsenfunktion im Blut (Trypsin-like Immunoreactivity / TLI)
Da bei diesen Laboranalysen von der Bauchspeicheldrüse normalerweise gebildete Enzyme bestimmt werden, zeigt eine Erniedrigung des zu erwartenden Wertes eine Erkrankung an. Weitere Blutwerte können unspezifisch verändert sein (z.B. eine geringere Zahl an roten oder bestimmten weißen Blutkörperchen, erniedrigte Fett- und Eiweißwerte), auch kann der Vitamin B12-Spiegel im Blut erniedrigt sein, da die Bauchspeicheldrüse an dessen Resorption teilweise mitbeteiligt ist.
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Auswirkungen einer unbehandelten EPI
- Bakterielle Überwucherung des Dünndarms durch fehlende antibakterielle Faktoren der Bauchspeicheldrüse.
- Zerstörung der Darmwand-Enzyme, die noch eine Restverdauung leisten könnten.
- Bakterielle Nährstoffverwertung verstärkt die Mangelversorgung des Hundes.
- Veränderung von Nahrungsfetten durch Bakterien führt zu Durchfall.
- Wassereinstrom in den Darm durch unzureichend verdauten Nahrungsbrei verstärkt die Durchfallsymptomatik.
Infolge der Bauchspeicheldrüsenunterfunktion kommt es häufig zu einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms, da von der (gesunden) Bauchspeicheldrüse auch antibakterielle Faktoren gebildet werden, die ein massives Einwandern von Bakterien in den Dünndarm verhindern.
Diese bakterielle Überwucherung verstärkt die auftretenden Probleme, da von der Darmwand gebildete Verdauungsenzyme, die noch eine Restfunktion bei der Aufspaltung der Nahrungsbestandteile leisten könnten, zerstört werden und die Bakterien noch nicht absorbierte Nahrungsbestandteile verbrauchen und damit die unzureichende Nährstoffversorgung des Tieres noch vergrößern.
Auch verändern die Bakterien die in der Nahrung befindlichen Fette, die dann aufgrund der anderen Struktur zur Entstehung von Durchfall beitragen, weil sie zu einer Abgabe von Wasser in den Darm führen. Die Vielzahl unzureichend verdauter Nahrungsbestandteile führt ebenfalls zu einem Einstrom von Wasser und damit zu Durchfall.

Die richtige Ernährung ist entscheidend bei der Therapie einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) beim Hund. In Teil 2 zeigen wir, worauf du bei der Fütterung achten solltest.
Nachdem wir in Teil 1 die Ursachen, typischen Symptome und die Diagnose der exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) beim Hund näher betrachtet haben, stellt sich nun die Frage: Wie kann ein betroffener Hund trotz eingeschränkter Enzymproduktion optimal mit Nährstoffen versorgt werden?
In Teil 2 – Die optimale Ernährung bei Bauchspeicheldrüseninsuffizienz beim Hund erfährst du, welche Fütterungsstrategien sich bewährt haben, welche Rolle Enzympräparate spielen und wie du deinem Hund durch gezielte Ernährung wieder mehr Lebensqualität schenken kannst.
Literatur:
Diagnostic Update: Pankreatitis und exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund. Idexx Laboratories.
Dillitzer, N. (2012). Tierärztliche Ernährungsberatung. 2. Auflage.
Elsevier Urban & Fischer, München. Hand et al. (2010). Small Animal Clinical Nutrition. 5. Auflage. Mark Morris Institute, Kansas, USA.
Bilder:
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